Regelmäßige Gespräche über den Kita-Alltag
Im Familienzentrum St. Maria Königin in Sankt Augustin gibt es ein Parlament in jeder Gruppe. Die Treffen finden wöchentlich statt und können bei Bedarf häufiger stattfinden. Dort bringen Kinder Probleme aus dem Alltag und Wünsche für Projekte ein. So wurde etwa über eine offengelassene Toilettentür gesprochen und gemeinsam nach einer Lösung gesucht. Das Parlament ist damit ein wiederkehrender Ort, um Anliegen aufzugreifen; seine Themen entstehen aus Vorschlägen der Kinder und der Fachkräfte.
Redekärtchen markieren, wer sprechen möchte. Eine meist kindliche Gesprächsleitung erteilt das Wort; ihr Amt wechselt je nach Gruppe nach unterschiedlichen Regeln. Bei Abstimmungen können Bilder die Wahlmöglichkeiten sichtbar machen, während Glassteine Stimmen kennzeichnen. Eine Fachkraft hält Ergebnisse fest und unterstützt den Gesprächsverlauf, bleibt ansonsten aber weitgehend im Hintergrund. Das Beispiel verbindet also regelmäßige Rückmeldungen mit geordnetem Austausch und einer Abstimmung über konkrete Fragen.
Ein gemeinsames Vorhaben planen und einen Kompromiss finden
Die Kinderkonferenz der Kita Kleine Strolche in Rheinbach diente der Planung eines Karnevalsfestes. Ausgangspunkt war eine von einer Fachkraft gestellte Frage nach dem Motto. Die Vorschläge wurden gesammelt, von der Fachkraft festgehalten und anschließend noch einmal zur Diskussion gestellt. Die Kinder zeichneten die Ideen auf; danach stimmten sie einzeln mit Stimmsteinen darüber ab.
Zwei Mottos erhielten gleich viele Stimmen. Die Kinder entschieden sich daraufhin für eine Verbindung der beiden Ideen: Sterne sollten auch im Dschungel leuchten. Der Fall zeigt eine andere Aufgabe als das regelmäßige Gruppenparlament: Die Beteiligung ist an ein gemeinsames Projekt gebunden, und aus dem Ergebnis der Abstimmung entsteht noch eine gemeinsame Lösung. Die Fachkraft strukturiert Frage, Sammlung und Besprechung; den Kompromiss fanden die Kinder selbst. Das Handbuch nennt als Ziel, dass Vorschulkinder eigene Wünsche ausdrücken und in gemeinsame Entscheidungen einbringen lernen sollen. Das ist ein pädagogischer Anspruch, kein zusätzlich belegter Wirkungsnachweis.
Bestehende Angebote durch Interviews auswerten
Im Familienzentrum Seelkirchen in Neunkirchen-Seelscheid wurden Vier- bis Sechsjährige zu Aktionen und Angeboten befragt. Beispiele für Gesprächsanlässe sind das Mittagessen und die Bewegungsbaustelle. Anders als bei der Konferenz geht es hier darum, Vorlieben und Einschätzungen zu bereits erlebten Angeboten einzuholen, damit die Einrichtung diese auswerten und verbessern kann.
Ein Aufnahmegerät hält das Gespräch fest. Dadurch lässt es sich später erneut anhören und gegebenenfalls auswerten. Die Fachkraft übernimmt dabei die Rolle der interviewenden Person. Die Praxisbeschreibung hebt als Herausforderung hervor, neutral zu bleiben und die eigene Position zurückzuhalten. Das unterscheidet die Aufgabe von der begleitenden Gesprächsleitung im Parlament oder der strukturierenden Moderation bei der Projektplanung: Hier kommt es besonders darauf an, die kindlichen Rückmeldungen nicht durch eigene Wertungen zu lenken.