Ein Haus als Ausgangspunkt
Bis 1971 war das Haus in Windeck-Rosbach Wohn- und Arbeitsplatz der Familie Seligmann. Der Ort verweist damit auf den Alltag einer Familie, nicht nur auf die spätere Gedenkstätte. Zugleich erzählt die Geschichte des Hauses von einem Bruch: Max Seligmann überlebte als einziges von vier Kindern den Holocaust. Diese beiden Angaben stehen in engem Zusammenhang. Das Haus bewahrt den Bezug zu einem konkreten Familienleben; Max’ Überleben macht sichtbar, wie tief die Verfolgung in dieses Leben eingriff. Die Familiengeschichte eröffnet so einen Zugang zur jüdischen Geschichte an der Sieg, ohne sie auf das Schicksal eines einzelnen Menschen zu verkürzen.
Gegenstände und Lebensläufe als Zeugnisse
Die Dauerausstellung verbindet Dinge aus dem Besitz der Seligmanns mit Unterlagen aus dem Kreisarchiv. Fotos, Bücher, Kultgegenstände und Möbelstücke geben dem Familienbezug eine materielle Seite; Archivunterlagen ergänzen ihn um schriftliche Zeugnisse. Diese Quellenarten lassen sich nicht einfach gleichsetzen: Ein Gegenstand belegt zunächst seine eigene Überlieferung, ein Archivdokument kann andere Zusammenhänge festhalten. Dazu kommen die individuellen Biografien der Familienmitglieder. An ihnen lassen sich historische Entwicklungen nachvollziehen. Die Ausstellung führt damit verschiedene Spuren zusammen, statt die Geschichte allein über eine allgemeine Darstellung zu erzählen. Das macht zugleich deutlich, worauf die Vermittlung beruht: auf überlieferten Dingen, Unterlagen und persönlichen Lebenswegen.
Vom Familienleben zur Geschichte der Region
Der Blick der Gedenkstätte reicht über die Familie hinaus. Sie behandelt jüdisches Leben auf dem Land vor 1933 ebenso wie die Verfolgung und Vernichtung der früher in der Siegregion lebenden Jüdinnen und Juden. So wird die Familiengeschichte in einen regionalen Zusammenhang gestellt: Sie bleibt persönlich verankert und führt zugleich zu einer Geschichte, die viele Menschen und Orte betrifft. Medienstationen, Filme und Karten ergänzen diesen Zugang. Laut Ausstellungsbeschreibung lässt sich damit das Erlebte vertiefen und erweitern. Die Medien eröffnen also zusätzliche Wege, sich mit den Themen der Ausstellung auseinanderzusetzen. Zusammen entsteht eine Vermittlung, die den historischen Ort, individuelle Biografien und den größeren regionalen Zusammenhang aufeinander bezieht.