Abgaben, Freiheit und ein festgesetzter Tag
Der historische Ausgangspunkt der Kirmes war eine Verpflichtung gegenüber dem Siegburger Kloster. Der Kreisbericht datiert sie auf 1145: Die Eitorfer wurden dem Kloster als wachszinspflichtige Bürger zugeordnet. Zu zahlen waren Wachs und Naturalien. Der Bericht ordnet diese Pflicht zugleich als Zeichen eines besonderen Status ein: Wachszins traf demnach freie Bürger, nicht Leibeigene. Die Abgabe war also keine bloße Belastung, sondern stand in einer Ordnung, die Freiheit und Steuerpflicht miteinander verband. Als Termin für die Abgabe wurde der Tag des heiligen Mauritius Ende September bestimmt. Damit erhielt eine religiös markierte Zeit im Jahreslauf auch eine praktische Funktion: Sie gab den zinspflichtigen Bauern einen gemeinsamen Anlass und Zeitpunkt für ihre Zusammenkunft. Das erklärt, wie ein Abgabetag zum historischen Kern eines Festes werden konnte, ohne dass die Kirmes von Anfang an nur Vergnügen gewesen wäre.

Wüllesfeld: Abgabe und Versorgung vor dem Winter
Die Zusammenkunft fand unter großen Eichen auf dem Wüllesfeld statt, heute der Standort des Sportplatzes an der Brückenstraße. Die Bauern brachten Waren mit; vor dem Winter wechselten dort auch Tiere den Besitzer. Der Erlös aus dem Viehverkauf konnte unmittelbar für weitere Güter des täglichen Bedarfs verwendet werden. So hatte der Ort mehrere Aufgaben zugleich: Er diente der Abgabe, bot Gelegenheit zum Handel und half bei der Versorgung für die kommende Jahreszeit. Der Kreisbericht beschreibt die Kirmes deshalb als aus einem Versorgungsmarkt hervorgegangen. Diese Verbindung macht den wirtschaftlichen Sinn der Zusammenkunft greifbar: Abgaben, Verkauf und anschließender Einkauf lagen nah beieinander. Die Kirmes wurzelt damit in einem konkreten Austausch zwischen Bauern und Markt, bei dem die Vorbereitung auf den Winter eine wichtige Rolle spielte.

Die Maikirmes und ihre Wiederbelebung
Eine zweite, zeitlich eigenständige Kirmes kam später hinzu: 1589 wurde eine Maikirmes am 1. Mai erlaubt. Sie war nicht einfach ein anderer Name für den Herbsttermin, sondern eine zusätzliche Gelegenheit im Jahreslauf. Im 19. Jahrhundert wurde diese Maikirmes eingestellt. Erst 1978 griff Eitorf den Frühlingstermin wieder auf und belebte ihn unter dem Namen „Eitorfer Frühling“. Das neue Format wird als Ausstellung für Handwerk, Dienstleistungen, Geschäftsleute und Vereine der Gemeinde beschrieben. Damit kehrte nicht die historische Abgabefunktion zurück. Wiederbelebt wurde vielmehr die zweite saisonale Zusammenkunft, nun als Messe, die örtliche Angebote und Akteure zusammenführt. Die Bezeichnung verbindet die Veranstaltung mit dem früheren Mai-Termin; ihre geschilderte Funktion liegt jedoch im Präsentieren und Zusammenbringen lokaler Bereiche.