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Stolpersteine im Rhein-Sieg-Kreis: Biografien recherchieren

09.10.2026

Städtische Verzeichnisse und Archive helfen, Namen auf Stolpersteinen mit individuellen Lebensgeschichten zu verbinden. Der Fall der Siegburger Familie Rochmann zeigt zugleich, warum offene Schicksalsfragen als solche erkennbar bleiben müssen.

Der Stein ist der Anfang der Recherche

Das Stolperstein-Projekt des Künstlers Gunter Demnig begann 1992. Wer die Person hinter einem Namen verstehen möchte, braucht weitere Quellen und muss zwischen belegten Angaben und offenen Fragen unterscheiden. Eine Recherche kann bei der Inschrift beginnen, sollte aber nicht bei ihr enden. Notieren Sie zuerst genau, was auf dem Stein steht, und halten Sie zugleich fest, welche Fragen sich daraus ergeben: Wo lebte die Person? Welche Familienmitglieder tauchen in weiteren Einträgen auf? Was lässt sich über Verfolgung, Flucht oder Deportation belegen? Die Fragen sind ein Arbeitsplan, keine vorweggenommenen Antworten.

Mit dem örtlichen Verzeichnis starten

Notieren Sie zunächst den vollständigen Namen, die Adresse und den Ort des Steins. Für Siegburg stellt die Stadt eine Übersicht bereit, die Standorte mit Wissenswertem über die betroffenen Personen und Familien verbindet. Suchen Sie dort nach dem Namen und prüfen Sie, ob der Eintrag zu derselben Adresse gehört. Mehrere Menschen einer Familie können an einem Ort erinnert werden; ein gemeinsamer Wohnort ist ein Anlass, Verbindungen zu prüfen, aber kein Beleg dafür, dass ihre Lebenswege identisch waren. Verzeichnisse sind außerdem ortsbezogen: Wer in einer anderen Kommune des Rhein-Sieg-Kreises recherchiert, sollte zusätzlich bei deren Stadt- oder Gemeindeseite sowie beim zuständigen Archiv suchen.

Biografien mit Unsicherheiten lesen

Ein aussagekräftiges Beispiel bietet das Siegburger Profil zur Familie Rochmann. Es nennt für Johanna Rochmann und ihre Kinder einen Transport nach Izbica; danach, so die Darstellung, verliert sich ihre Spur. Ein möglicher Tod in Lublin-Majdanek wird ausdrücklich nur als wahrscheinlich bezeichnet. Diese Formulierung ist entscheidend: Eine Vermutung darf in einer eigenen Notiz nicht zur gesicherten Tatsache werden. Halten Sie deshalb am besten getrennt fest, was eine Quelle ausdrücklich belegt, welche Schlussfolgerung sie zieht und welche Information weiterhin fehlt. Auch ein ausführliches Onlineprofil ersetzt nicht automatisch die Prüfung seiner einzelnen Angaben.

Das passende Archiv anfragen

Für den nächsten Schritt empfiehlt sich eine konkrete Anfrage statt einer allgemeinen Bitte um „alles zur Familie“. Schreiben Sie den Namen in allen bekannten Schreibweisen, die letzte Adresse, ungefähre Zeiträume und Ihre Forschungsfrage auf. Fragen Sie vor einem Besuch beim Kreisarchiv, ob es zu diesem Thema einschlägige Quellen gibt. Für Personenstands- und Melderegister ist dagegen das jeweilige Stadt- oder Gemeindearchiv zuständig; das Kreisarchiv bewahrt diese Register nach eigener Auskunft nicht auf. Diese Zuständigkeitsgrenze spart Umwege, garantiert aber nicht, dass ein bestimmtes Dokument vorhanden oder frei einsehbar ist. Archivbestände sind nur ein Teil der Überlieferung, und personenbezogene Angaben können Einschränkungen unterliegen.

Regionale Erinnerung ergänzend einordnen

Eine einzelne Biografie lässt sich außerdem in die Geschichte jüdischen Lebens in der Region einordnen. Die Gedenkstätte „Landjuden an der Sieg“ in Windeck-Rosbach wird wissenschaftlich und personell vom Kreisarchiv betreut; zu dessen Aufgaben gehört auch, jüdische Geschichte im Siegraum weiter zu erforschen und aufzubereiten. Das ist ein ergänzender Zugang, kein Ersatz für eine individuelle Quellenprüfung zu jedem Stolperstein. Wenn Sie Ihre Recherche teilen, markieren Sie deshalb Quellen, Überlieferungslücken und Wahrscheinlichkeiten sichtbar. So bleibt die Erinnerung konkret, ohne Unsicheres als Gewissheit auszugeben.

Quellen

  1. Rhein-Sieg-Kreis
  2. Kreisstadt Siegburg
  3. Kreisstadt Siegburg
  4. Archivportal Nordrhein-Westfalen
  5. Archivportal Nordrhein-Westfalen