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Schloss Auel in Lohmar: Was Archivquellen über den Umbau erzählen

09.10.2026

Schloss Auel in Lohmar lässt sich als Baugeschichte in mehreren Schichten lesen: Die Stadt verweist auf erhaltene Zeichnungen im Historischen Archiv des Erzbistums Köln, während Stadtarchiv und Denkmalpflegeplan Ansatzpunkte für eine eigene Recherche bieten.

Ein Bauwerk, mehrere Zeitstände

Schloss Auel bei Honrath ist nicht einfach ein Schloss, das 1763 neu auf der grünen Wiese entstand. Die Stadt Lohmar datiert das barocke Schloss auf dieses Jahr, verweist aber zugleich auf Zeichnungen, die die ältere Burg und den Umbau dokumentieren. Ihr Hinweis auf das Historische Archiv des Erzbistums Köln eröffnet einen selten anschaulichen Zugang: Statt nur späteren Beschreibungen zu folgen, lässt sich die Veränderung anhand zweier überlieferter Planstände nachvollziehen. Die ältere Anlage war eine rechteckige, geschlossene Wasserburg. Der Umbau setzte 1755 ein und war 1763 abgeschlossen; diese Jahreszahl ist damit ein Bauphasen-Endpunkt, kein Beleg dafür, dass jeder Gebäudeteil heute unverändert ist.

Was der Grundriss über den Alltag verrät

Die städtische Beschreibung der älteren Anlage nennt neben dem Herrenhaus eine Hauskapelle, ein Brauhaus, ein Backhaus mit Pferdestall sowie Heu- und Kuhstall. Hinzu kamen ein Halbmannshaus, also die Unterkunft des Pächters, und ein Spülhaus. Das ergibt ein anderes Bild als die Vorstellung einer Burg, die ausschließlich Wohn- und Repräsentationszwecken diente: Versorgung, Tierhaltung und Arbeit waren innerhalb des umgrenzten Komplexes organisiert. Das Herrenhaus war nach derselben Darstellung der einzige zweistöckige Bereich. Wer die Zeichnungen betrachtet, kann deshalb gezielt fragen, welche Funktionen an welcher Seite lagen und wie Zugänge, Hof und Wassergraben zusammenwirkten. Das sind Fragen an den Plan, keine Behauptung, dass jede Nutzung aus der Zeichnung allein sicher zu bestimmen wäre.

Umbau, Erhalt und Verlust unterscheiden

Lohmars Text beschreibt eine Aufstockung des westlichen Flügels und angrenzender Bereiche während des Umbaus; für die Kapelle nennt er einen turmartigen Dachreiter. Die östlichen Flügel mit den Ställen blieben zunächst bestehen, wurden aber 1865 abgerissen. Diese Abfolge hilft, zwischen dem barocken Umbau des 18. Jahrhunderts und späteren Verlusten zu unterscheiden. Beim Lesen alter Ansichten sollte man daher nicht automatisch annehmen, dass ein dargestellter Wirtschaftsflügel noch Teil des heutigen Bestands ist. Umgekehrt lässt die Bezeichnung „Schloss von 1763“ für sich genommen offen, welche Bauteile älter, verändert oder später ergänzt sind.

Lohmarer Quellen als Einstieg

Für eine eigene Recherche lohnt es sich, drei Quellentypen auseinanderzuhalten. Die Zeichnungen im Erzbistumsarchiv sind der unmittelbare Einstieg in die Baugestalt. Das Stadtarchiv Lohmar bietet mit seiner regionalgeschichtlichen Archivbibliothek Kontext für Orts- und Gebäudegeschichte. Ergänzend stellt die Stadt einen Denkmalpflegeplan bereit: Er ordnet die bauliche Überlieferung in siedlungsgeschichtliche Bestandsaufnahme und Darstellung von Bau- und Bodendenkmälern ein. Solche Quellen beantworten unterschiedliche Fragen; ein Foto zeigt etwa einen späteren sichtbaren Zustand, während ein Plan räumliche Anordnungen erfassen kann. Beides sollte nicht ohne Weiteres als Beleg für dasselbe Baujahr gelesen werden.

Praktischer Rechercheweg

Ein handlicher Arbeitsablauf beginnt mit einer Fragestellung, etwa: „Welche Teile der Wasserburg veränderten sich zwischen 1755 und 1763?“ Notieren Sie zunächst die konkreten Bauteile, die Lohmars Beschreibung erwähnt, und gleichen Sie sie mit den überlieferten Zeichnungen ab. Fragen Sie anschließend beim Stadtarchiv nach einschlägigen Literaturhinweisen und Ortsansichten; die Stadt bittet vor einem Besuch um Anmeldung und nennt als Anschrift Hauptstraße 27–29, 53797 Lohmar. Prüfen Sie vorab die aktuellen Öffnungszeiten auf der städtischen Seite. Für die bauliche Einordnung ist der Denkmalpflegeplan ein zweiter Leseschlüssel, ersetzt aber weder die Originalzeichnungen noch eine fachliche Bauuntersuchung. Eine Abbildung kann einen Zustand dokumentieren, beweist allein jedoch nicht, wann ein einzelner Mauerzug entstand. Gerade diese Trennung von Beobachtung, Datierung und Interpretation macht die Beschäftigung mit Schloss Auel ergiebig.

Quellen

  1. Stadt Lohmar
  2. Stadt Lohmar
  3. Stadt Lohmar