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Landwirtschaft im Vorgebirge: Historische Nutzung bei Bornheim und Alfter verstehen

09.10.2026

Die Landwirtschaft im Vorgebirge lässt sich nicht auf eine einzige Tradition reduzieren: Fruchtbarer Löss, frühe Gutshofspuren, spezialisierter Obstbau und der Wandel von Dörfern haben die Landschaft zu unterschiedlichen Zeiten geprägt. Beispiele aus Bornheim und Alfter zeigen, wie sich diese Geschichte vor Ort lesen lässt.

Eine Landschaft mit mehreren Höhenstufen

Wer Landwirtschaft im Vorgebirge verstehen will, sollte zunächst auf das Gelände schauen. Bornheim liegt zwischen den Ebenen am linken Rheinufer und der Ville-Hochfläche; dazwischen zieht sich der Hang des Vorgebirges. Diese Abfolge ist mehr als eine Kulisse: Die Stadt beschreibt den Landstrich als fruchtbar und durch intensiven Gemüse- und Obstanbau geprägt. Das erklärt, warum Feldbau und Obstkulturen in der regionalen Landschaft so sichtbar sind. Es erklärt aber nicht jede einzelne Flur: Boden, Lage, Besitzverhältnisse und wechselnde Nachfrage wirkten zusammen.

Alfter: Hinweise auf Landwirtschaft in römischer Zeit

Ein früher Anhaltspunkt liegt im Ortskern von Alfter. Bei Arbeiten an der Pfarrkirche St. Matthäus kamen 1964 Fundamente eines römischen Landhauses zutage. Das Haus der Alfterer Geschichte betont ausdrücklich, dass der Fund archäologisch nicht abschließend untersucht ist; eine sichere Rekonstruktion des Gutshofs wäre daher zu weitgehend. Der Verein hält eine Villa rustica für plausibel und berichtet, das Gebiet habe die Bonner Legion I Minervia mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen versorgt. Wein nennt der Verein als Möglichkeit, nicht als gesicherte Lieferung. Der Befund macht eine landwirtschaftliche Funktion der Umgebung greifbar, ohne einen lückenlosen Anbauplan für die Römerzeit zu liefern.

Was ein Hofarchiv über Arbeit und Ertrag verrät

Für die spätere Agrargeschichte sind Schriftstücke oft aussagekräftiger als ein einzelnes erhaltenes Gebäude. Eine 2026 von der Stadt Bornheim vorgestellte Sammlung zum Ophof in Sechtem enthält 18 Originaldokumente von 1745 bis 1895. Getreideabgaben und Landverpachtung machen verschiedene Seiten eines großen Hofes sichtbar: Erträge wurden abgeführt, Flächen verpachtet und Arbeit organisiert. Das ist ein konkreter Blick in Wirtschaft und Verwaltung – aber kein vollständiges Abbild aller Bauernfamilien der Gegend. Die Stadt schreibt, die Unterlagen würden erschlossen und anschließend der Öffentlichkeit und Forschung zugänglich gemacht.

Vom gemischten Landbau zum spezialisierten Obstgut

Ein markanter Einschnitt für Bornheim-Merten ist das Jahr 1896. Damals gründete Otto Schmitz-Hübsch dort ein reines Obstgut; die Stadt ordnet es als erstes dieser Art in Deutschland und als Etablierung des Obstbaus als Wirtschaftszweig ein. Das ist nicht mit dem Beginn jeglichen Obstbaus zu verwechseln: Es steht vielmehr für Spezialisierung und kommerzielle Organisation, die eine vorhandene ländliche Produktion neu ausrichtete. Die heutigen Obstgärten sind deshalb nicht bloß ein zeitloses Überbleibsel, sondern auch Ergebnis einer betrieblichen Entwicklung.

Alfter im Wandel – Landwirtschaft bleibt Teil der Ortsgeschichte

Auch in Alfter war Landwirtschaft über Jahrhunderte prägend, wie das Haus der Alfterer Geschichte für den Ort festhält. Seine Ausstellung zum Wandel der vergangenen fünf Jahrzehnte behandelte ausdrücklich die Entwicklung der Landwirtschaft neben der Etablierung der Alanus Hochschule und der baulichen Entwicklung. Diese Perspektive hilft, zwei Ebenen auseinanderzuhalten: Die Gemeinde hat eine lange ländliche Vergangenheit, während sich Alltag und Siedlungsbild in jüngerer Zeit stark verändert haben. Der lokale Befund darf nicht pauschal auf jeden Ortsteil oder jeden heutigen Betrieb übertragen werden.

Was Streuobstwiesen über den Wandel verraten

Bornheim berichtet, dass es früher sehr viele Streuobstwiesen gab, die im Lauf der Zeit Bauprojekten oder anderer Landwirtschaft wichen. Dieser Befund verhindert eine allzu romantische Lesart: Auch Agrarnutzung kann Obstwiesen verdrängen, während Siedlungsbau Flächen dauerhaft verändert. Wer die heutige Landschaft betrachtet, kann daher fragen, ob eine Fläche eher der gezielten Fruchtproduktion, einer Verbindung von Obst und Grünland oder einer anderen Nutzung dient. Aus einem einzelnen Baum oder Feld lässt sich die ganze Geschichte nicht ablesen; Ortsarchive und Museen liefern wichtige Ergänzungen.

Quellen

  1. Stadt Bornheim
  2. Förderverein Haus der Alfterer Geschichte e. V.
  3. Stadt Bornheim
  4. Stadt Bornheim
  5. Förderverein Haus der Alfterer Geschichte e. V.
  6. Stadt Bornheim