Historische Karten für Rhein-Sieg-Ortsteile finden und vergleichen
09.10.2026
Für die Suche nach alten Karten eines Rhein-Sieg-Ortsteils lohnt der Blick in Kreis- und Landesarchiv: Ortsnamen, frühere Verwaltungszugehörigkeit und Kartentyp helfen beim Eingrenzen. Nicht jeder Bestand ist digitalisiert oder lokal vollständig.
Zuerst den Ort historisch präzisieren
Ein heutiger Ortsteil ist nicht immer der beste Suchbegriff. Notieren Sie neben dem Ortsnamen auch frühere Schreibweisen, die Gemeinde, zu der der Ort früher gehörte, und – wenn bekannt – die Gemarkung. Das ist besonders nützlich, wenn ein Dorf früher unter einer anderen Verwaltungsbezeichnung geführt wurde. Beginnen Sie mit einer konkreten Frage: Suchen Sie den Verlauf alter Wege, die Lage von Höfen oder die Entwicklung von Grundstücksgrenzen? Davon hängt ab, nach welcher Kartenart Sie suchen sollten. Schreiben Sie außerdem einen ungefähren Zeitraum auf; „vor dem Ausbau der Bahn“ oder „um 1900“ ist ein brauchbarer Startpunkt, aber kein Ersatz für ein genaues Entstehungsdatum.
Kreisarchiv und Archivportal kombinieren
Das Kreisarchiv des Rhein-Sieg-Kreises sammelt neben Verwaltungsunterlagen auch Materialien zur Kreisgeschichte, darunter historische Ansichtskarten sowie Unterlagen von Privatpersonen, Firmen und Vereinen. Das macht es zu einer sinnvollen Anlaufstelle, auch wenn nicht jede Anfrage eine Karte zutage fördert. Im [Eintrag des Kreisarchivs im Archivportal NRW](https://www.archive.nrw.de/archiv-u-wiss-bibliothek-des-rhein-sieg-kreises) finden Sie Informationen zu Aufgaben und Beständen. Suchen Sie dort und in der Archivsuche zunächst nach dem Ortsnamen. Probieren Sie anschließend Varianten: Gemeinde- oder Amtsname, Gemarkung, „Karte“, „Plan“, „Kataster“ und „Ansichtskarte“. Prüfen Sie bei Treffern Titel, Laufzeit und Signatur – ein Treffer mit dem Wort „Karte“ kann etwa eine thematische Karte, einen Bauplan oder nur eine beiliegende Karte in einer Akte meinen. Der [Kreisarchiv-Eintrag des Rhein-Sieg-Kreises](https://www.rhein-sieg-kreis.de/vv/produkte/Amt_17/Kreisarchiv.php) bietet auch den Kontakt für eine gezielte Anfrage.
Auch beim Landesarchiv nachsehen
Die Überlieferung ist nicht auf das Kreisarchiv beschränkt. Das Archivportal NRW weist für Teile der Überlieferung bis 1946 auf Bestände der Abteilung Rheinland des Landesarchivs NRW hin, darunter das Landratsamt Siegkreis (BR 0043), das Landratsamt Bonn (BR 0014), das Landratsamt Rheinbach (BR 0041) und das Landratsamt Waldbröl (BR 0045). Welche frühere Verwaltung für den gesuchten Ort zuständig war, kann deshalb die Suche lenken. Die Abteilung Rheinland nennt historische Karten und umfangreiche Katasterkarten in ihren Beständen. Nutzen Sie die [Beständeübersicht der Abteilung Rheinland](https://www.archive.nrw.de/landesarchiv-nrw/abteilung-rheinland-duisburg/bestaende-der-abteilung-rheinland), um diese Spur zu verfolgen. Die Bestandsübersicht beschreibt Bestandsgruppen; sie belegt nicht automatisch, dass für jeden Ort eine online einsehbare Karte vorhanden ist.
Kartentyp passend zur Frage wählen
Für Grundstücksgrenzen ist eine Katasterkarte die naheliegende Suchrichtung; für größere räumliche Zusammenhänge kommen eher historische Kartenwerke oder Pläne infrage. Ansichtskarten sind dagegen eher hilfreich, wenn Sie ein Gebäude, einen Straßenraum oder ein Ortsbild visuell vergleichen möchten. Diese Materialien beantworten unterschiedliche Fragen und sollten nicht wie austauschbare Karten behandelt werden. Wenn ein Archiv keine passende Karte im Online-Katalog zeigt, fragen Sie nach nicht digital erschlossenen Findmitteln oder Karten in Aktenbeständen. Formulieren Sie die Anfrage knapp: Ort und damalige Gemeinde, Zeitraum, gesuchte Aussage und – falls vorhanden – eine Katalogsignatur. So kann das Archiv leichter prüfen, ob es einen einschlägigen Bestand gibt.
Zwei Karten vergleichbar machen
Vergleichen Sie nicht allein die optische Ähnlichkeit. Prüfen Sie zuerst Entstehungsjahr oder Datierung, Maßstab, dargestellten Ausschnitt und Zweck der Karte. Eine Katasterkarte kann Grundstücke detailliert zeigen, während eine Übersichtskarte den Ort nur im größeren Zusammenhang abbildet. Ein größer gezeichneter Ausschnitt bedeutet daher nicht automatisch, dass die Karte neuer oder genauer ist. Legen Sie markante, möglichst dauerhaft erkennbare Punkte nebeneinander – etwa einen Kirchenstandort, einen Bachlauf oder eine Straßenkreuzung. Achten Sie darauf, ob Namen, Wege und Grenzen tatsächlich im selben Raum liegen oder ob sich die Kartenprojektion und der Maßstab unterscheiden. Halten Sie Unsicherheiten fest, statt eine alte Linie ohne weitere Belege als exakten heutigen Grenzverlauf zu lesen.
Nutzung und Grenzen vorab klären
Für die Einsicht in Archivgut beim Kreisarchiv muss die Nutzung schriftlich beantragt werden; die Benutzung selbst ist laut Kreisangabe entgeltfrei. Kosten können für Kopien oder Reproduktionen entstehen. Fragen Sie vor einem Besuch gezielt nach der Signatur, Zugänglichkeit und den Möglichkeiten für Reproduktionen. Die Angaben auf den Webseiten können sich ändern; prüfen Sie die aktuellen Benutzungsbedingungen, bevor Sie bestellen oder anreisen. Ein fehlender Online-Treffer ist kein Beweis, dass es keine Karte gibt: Das Kreisarchiv weist darauf hin, dass nur ein Bruchteil des Zwischenarchivguts dauerhaft übernommen wird. Ebenso sind Karten nicht zwingend als eigener Bestand verzeichnet, sondern können Teil einer Akte sein. Für belastbare Vergleiche sollten Sie deshalb Herkunft und Datierung beider Karten dokumentieren und bei unklaren Beschriftungen das Archiv um Einordnung bitten.