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Hexenturm in Rheinbach: Burg, Stadtbefestigung und Erinnerung einordnen

09.10.2026

Der Rheinbacher Hexenturm ist ein erhaltener Teil der früheren Burg- und Stadtbefestigung. Der Name verbindet ihn mit den Hexenverfolgungen, doch die historische Nutzung als Gefängnis ist nur vermutet. Wer den Ort besucht, sollte Baugeschichte, belegte Verfolgung und heutige Erinnerung auseinanderhalten.

Ein Turm mit zwei historischen Zusammenhängen

Wer in Rheinbach vom Hexenturm spricht, meint einen erhaltenen Bergfried der ehemaligen Burg. Der Name klingt, als sei der Turm eigens für die Hexenverfolgung gebaut worden. Das ist eine falsche Abkürzung: Der Rhein-Voreifel Touristik zufolge wurde die Burg bereits in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts von den Herren von Rheinbach errichtet; erst seit dem 19. Jahrhundert heißt der Bergfried im Sprachgebrauch Hexenturm. Er gehört damit zunächst in die Geschichte von Burg und Befestigung. Die Stadt datiert den Beginn des Abbruchs der mittelalterlichen Stadtbefestigung auf 1820. Der noch sichtbare Turm ist deshalb ein Überrest eines größeren Wehrzusammenhangs, nicht die ganze Anlage. [Stadt Rheinbach: Stadtgeschichte](https://www.rheinbach.de/rheinbach-entdecken/stadtprofil-stadtgeschichte); [Rhein-Voreifel Touristik: Rheinbacher Burg & Hexenturm](https://www.rhein-voreifel-touristik.de/poi/rheinbacher-burg-hexenturm)

Was sich über die Verfolgungen sagen lässt

Die Gewaltgeschichte Rheinbachs beginnt nicht erst mit der Hochphase des 17. Jahrhunderts: Das Stadtarchiv führt bereits einen Prozess vom Anfang des 16. Jahrhunderts an. Für 1631 bis 1636 nennt die städtische Chronik rund 130 Menschen aus Rheinbach, Flerzheim und Meckenheim, die als Hexen angeklagt, gefoltert und verbrannt wurden. Diese Zahl ist eine Wiedergabe der städtischen Darstellung und ihrer historischen Überlieferung, keine Aussage über eine heute zweifelsfrei rekonstruierte Gesamtzahl. Hermann Löher, selbst in die Vorgänge verwickelt, floh 1636 nach Amsterdam; seine später niedergeschriebenen Erinnerungen sind ein zentraler Bezugspunkt der lokalen Überlieferung. Gerade diese Unterscheidung zwischen belegtem Geschehen, überlieferten Schätzungen und unsicherem Detail schützt davor, aus dem Turmnamen eine vereinfachte Schauergeschichte zu machen. [Stadt Rheinbach: Chroniken und Publikationen](https://www.rheinbach.de/stadtarchiv/chroniken-und-publikationen); [Stadt Rheinbach: Stadtgeschichte](https://www.rheinbach.de/rheinbach-entdecken/stadtprofil-stadtgeschichte)

Turm, Kerker und Grenzen der Gewissheit

Der Regionalverband beschreibt den untersten Raum des Turms als einen Raum, der in den Jahren der Verfolgungen vermutlich als Kerker diente. Das entscheidende Wort ist „vermutlich“: Die Quelle präsentiert die Nutzung nicht als gesicherten Nachweis. Wer den Ort besichtigt, sollte daher zwischen dem eindeutig benennbaren Bauwerk – einem mittelalterlichen Bergfried – und der vorsichtigen Deutung seiner konkreten Nutzung unterscheiden. Ebenso wenig belegt der Name Hexenturm für sich genommen, dass hier Prozesse stattfanden oder Folter ausgeübt wurde. Die Nähe von Bauwerk und Erinnerung ist wichtig, ersetzt aber keine Quellenkritik. [Rhein-Voreifel Touristik: Rheinbacher Burg & Hexenturm](https://www.rhein-voreifel-touristik.de/poi/rheinbacher-burg-hexenturm)

Erinnerung statt Legende

Rheinbachs Erinnerungskultur lässt sich auch daran ablesen, wie die Stadt heute über die Opfer spricht. Nach der städtischen Archivseite beschloss der Rat 2012 einstimmig eine Erklärung zur Verfolgung. Sie bedauert das Unrecht an den unschuldigen Frauen und Männern und benennt Folter und Todesstrafe als Unrecht. Der Blick auf diese Gegenwartserklärung verändert den Besuch: Der Turm ist nicht bloß Kulisse für eine düstere Geschichte, sondern Anlass, über Zuschreibung, Macht und Gewalt nachzudenken. Löhers Flucht und seine späteren Erinnerungen zeigen zudem, dass die Überlieferung von einem Betroffenen und Zeitzeugen geprägt ist; sie sind wertvoll, sollten aber als historische Perspektive gelesen werden. [Stadt Rheinbach: Chroniken und Publikationen](https://www.rheinbach.de/stadtarchiv/chroniken-und-publikationen)

Besuch planen: Führung vor freiem Zugang

Für einen Besuch ist eine Führung die verlässlichere Planung als die Annahme, der Turm sei jederzeit frei zugänglich: Die städtische Tourismusseite nennt Burg- und Stadtführungen des Eifel- und Heimatvereins ganzjährig. Gruppen können eine Führung außerdem beim Stadtarchiv buchen; die städtische Seite nennt dafür eine Bearbeitungsgebühr von 20 Euro je Führung. Prüfen Sie vor der Anreise aktuelle Termine und die Buchungsmodalitäten direkt bei der Stadt, denn ein Jahresangebot bedeutet nicht, dass an jedem Tag spontane Innenbesichtigungen möglich sind. Als inhaltliche Vorbereitung lohnt es sich, den Turm zunächst als Teil der Burg- und Stadtbefestigung zu betrachten und anschließend die Verfolgungsgeschichte anhand der städtischen Archivinformationen einzuordnen. So bleibt die praktische Besichtigung eng mit dem verlässlichen Wissensstand verbunden. [Stadt Rheinbach: Stadt- und Burgführungen](https://www.rheinbach.de/stadt-und-burgfuehrungen)

Quellen

  1. Stadt Rheinbach, Stadtarchiv
  2. Stadt Rheinbach
  3. Stadt Rheinbach
  4. Rhein-Voreifel Touristik e. V.