Cannabis und Jugendliche: Beratung für Familien im Rhein-Sieg-Kreis
09.10.2026
Wenn Jugendliche Cannabis ausprobieren oder der Konsum Sorgen macht, hilft ein ruhiges Gespräch und frühzeitige Beratung. Im Rhein-Sieg-Kreis gibt es vertrauliche Angebote für junge Menschen, Angehörige und Familien.
Erst reden, nicht verhören
Ein Joint-Geruch, ein veränderter Freundeskreis oder ein offenes Eingeständnis kann Eltern verunsichern. Ein hilfreicher Einstieg ist trotzdem keine Anklage, sondern eine konkrete Beobachtung: „Mir ist aufgefallen, dass du in letzter Zeit öfter vernebelt nach Hause kommst. Was ist los?“ Danach zuhören, nachfragen und die eigene Sorge benennen – ohne sofort eine Diagnose zu stellen. Das ist ein Gesprächsvorschlag, keine Bewertung eines einzelnen Jugendlichen. Wenn das Thema festgefahren ist, kann eine dritte Person entlasten. Jugendliche und junge Erwachsene können die psychologischen Beratungsdienste des Kreises unabhängig von den Eltern ansprechen; der Kreis sagt Vertraulichkeit zu. Das kann ein erster Schritt sein, auch wenn die Familie noch nicht bereit für ein gemeinsames Gespräch ist.
Was Eltern konkret klären können
Fragen Sie eher nach Situationen als nach Etiketten: Wann kommt Cannabis ins Spiel? Mit wem? Was soll es in dem Moment bewirken? Gibt es Stress, Streit oder Schlafprobleme, die damit zusammenhängen könnten? Solche Fragen helfen, Beweggründe und Muster zu besprechen, ohne aus einer einzelnen Beobachtung auf Abhängigkeit zu schließen. Vereinbaren Sie einen nächsten überschaubaren Schritt: etwa ein weiteres Gespräch zu einem festen Zeitpunkt oder einen unverbindlichen Beratungskontakt. Falls Cannabis zu Hause gelagert wird, sprechen Sie klar über Sicherheit und Grenzen. Rechtlich ist wichtig: Das Konsumcannabisgesetz verbietet den Konsum in unmittelbarer Gegenwart Minderjähriger. Das ist Orientierung, keine individuelle Rechtsberatung.
Wenn ein junger Mensch auffällig geworden ist
Für Jugendliche und junge Erwachsene von 14 bis 21 Jahren, die im Zusammenhang mit Rauschmitteln – besonders Cannabis – auffällig geworden sind, beschreibt die Diakonie An Sieg und Rhein das Programm FreD. Es verbindet Aufklärung über Wirkung, Risiken und rechtliche Aspekte mit einer Reflexion der eigenen Konsummuster und Motive. Gemeinsam werden Möglichkeiten besprochen, den Konsum einzuschränken oder zu beenden. Die Diakonie nennt ein Aufnahmegespräch in der Beratungsstelle in Troisdorf und ein achtstündiges Gruppenangebot; die Gespräche sind vertraulich. Das Programm kann auch eine behördliche Auflage erfüllen. Das Angebot ist nicht als Strafe gedacht, sondern als Gelegenheit, früh hinzuschauen. Eltern können mit dem jungen Menschen zunächst besprechen, ob ein Erstgespräch sinnvoll wäre; laut Diakonie ist die offene Sprechstunde dienstags von 15 bis 19 Uhr erreichbar, telefonisch unter 02241 2680 600. Zeiten und Zugang am besten vorab auf der Anbieterseite prüfen.
Beratung für die ganze Familie
Die Suchtberatung der Caritas Rhein-Sieg richtet sich an Betroffene, Angehörige und Interessierte. Sie bietet Telefonberatung und Onlineberatung; laut Anbieter ist die Beratung kostenfrei und online auf Wunsch anonym. Für Familien kann ein gemeinsames Gespräch hilfreich sein, wenn alle Beteiligten ihre Sicht schildern möchten. Angehörige können sich aber auch zunächst allein beraten lassen. Caritas-Beratungsstellen gibt es in Siegburg, Bornheim, Rheinbach und Eitorf; in Siegburg ist eine offene Sprechstunde mittwochs von 14 bis 16 Uhr ausgewiesen, in Eitorf donnerstags von 12 bis 13 Uhr. Die Onlineberatung verspricht eine erste Antwort innerhalb von 48 Stunden. Kontaktdaten und mögliche Änderungen der Sprechzeiten stehen auf der Caritas-Seite.
Die passende Anlaufstelle finden
Für Familien im Rhein-Sieg-Kreis hängt der passende erste Kontakt davon ab, wer Hilfe sucht und worum es geht. Bei Fragen zu Erziehung, Konflikten oder dem Befinden eines jungen Menschen verweist der Kreis auf seine Familien- und Erziehungsberatungsstellen; für Bad Honnef, Königswinter, Sankt Augustin, Troisdorf, Niederkassel und Hennef nennt er eigene städtische Beratungsstellen. Bei konkreten Sorgen um Konsum können die Suchtberatungen der Caritas oder Diakonie weiterhelfen; FreD ist eine Option für die genannte Altersgruppe nach Auffälligkeit. Vor dem Anruf kann es helfen, drei Dinge zu notieren: Was wurde beobachtet, seit wann macht es Sorgen, und welche Frage soll im Erstkontakt geklärt werden? Niemand muss dafür schon wissen, ob der Konsum „problematisch genug“ ist. Verfügbarkeit, Zuständigkeit und aktuelle Sprechzeiten sollten direkt bei der Beratungsstelle bestätigt werden.